Fehler bei der Arbeit

Konflikte im Unternehmen: Zahlen, Arten und Lösungen

Konflikte im Unternehmen sind normal und oft sogar nützlich: Wer streitet, dem ist etwas wichtig. Meist geht es um Werte, die jemand verletzt sieht oder verteidigen will. Wer Fehler bewusst und fair austrägt, schafft Klarheit, stärkt den Zusammenhalt und gibt dem Team Orientierung.

Konflikte schaden erst dann, wenn niemand sie anpackt oder wenn jemand sie schlecht anpackt. 

 

Dieser Artikel stützt sich auf einen Fachbeitrag von Carla van Kaldenkerken und Roland Kunkel-van Kaldenkerken über betriebliche Konfliktstandards.

 

Wie viele Konflikte gibt es in einem Team pro Jahr?

 

In einem Team mit 15 Personen entstehen nach einer Praxisschätzung rund 675 Konflikte pro Jahr. Diese Zahl haben Führungskräfte, Betriebsräte und Personaler in einem Workshop gemeinsam errechnet. Ihre Annahme: Pro Woche und Person kracht es einmal ernsthaft. Das kann einfacher Ärger sein, aber auch eine echte Krise unter Kollegen. 15 Personen mal 45 Arbeitswochen ergeben 675 Vorfälle. Wichtig: Das ist eine Schätzung aus der Praxis, keine Studie.

So lösen sich diese Konflikte laut der Schätzung:

  • Etwa 60 % klären die Beteiligten selbst im Gespräch.
  • Etwa 15 % löst eine Entscheidung oder ein Gespräch mit der Führung.
  • Etwa 10 % regeln Kollegen, die beraten oder vermitteln.
  • Etwa 10 % klären Gespräche mit Betriebsrat oder Vertrauenspersonen.
  • Etwa 5 % bleiben ungelöst.

Diese letzten 5 % kosten viel: Menschen fehlen öfter, beantragen Versetzungen, kündigen, resignieren oder bekommen körperliche Beschwerden. Genau hier stecken Unternehmen meist ihre ganze Energie hinein. Für die übrigen 95 % tun sie kaum etwas. Dabei lohnt es sich, gerade dort zu investieren, damit mehr Konflikte früh und gut ausgehen.

 

Welche Arten von Konflikten gibt es im Betrieb?

 

Im Betrieb gibt es leichte Konflikte, schwere Konflikte und Konflikte zweiter Ordnung. Leichte Konflikte sind die Mehrheit. Ein klärendes Gespräch, ein guter Rat oder eine klare Entscheidung reicht.

Schwere Konflikte haben meist einen von drei Gründen:

  1. Die Struktur passt nicht. Das Problem lässt sich nur langfristig oder gar nicht lösen.
  2. Ziele und Werte widersprechen sich. Beide Seiten haben gute Gründe, die nicht zusammenpassen.
  3. Gefühle haben sich festgesetzt. Misstrauen und Enttäuschung wachsen, und die Beteiligten kommen allein nicht mehr heraus.

Konflikte zweiter Ordnung sind besonders tückisch. Hier streiten nicht mehr die Betroffenen, sondern die Helfer. Personalabteilung, Betriebsrat und Führung ringen darum, wem der Konflikt „gehört“ und wessen Methode die richtige ist. Der eigentliche Streit gerät dabei aus dem Blick.

 

Vorwurfskultur oder Verantwortungskultur: Wie geht Ihr Unternehmen mit Fehlern um?

 

Unternehmen bewegen sich zwischen zwei Polen: Vorwurfskultur und Verantwortungskultur. Wo ein Unternehmen steht, entscheidet darüber, wie gut es mit Konflikten umgeht.

In der Vorwurfskultur schützt jeder vor allem sich selbst. Menschen fürchten, dass schon kleine Fehler harte Folgen haben. Also beschönigen sie Fehler, vertuschen sie oder schieben sie anderen zu. Manche nutzen Fehler sogar für Machtkämpfe. Das treibt die Kontrollkosten hoch, und das Klima wird spürbar gereizt.

In der Verantwortungskultur zählen der Nutzen für Kunden und die Handlungsfähigkeit des Unternehmens. Menschen sprechen Fehler diplomatisch, aber klar an. Sie nutzen sie, um Rollen zu klären und Abläufe zu verbessern. Die Stimmung ist zuversichtlich und gelassen.

Fehlerfreundlich heißt dabei nicht beliebig. Wer Streit immer ausweicht, erzeugt eine Kultur, in der niemand mehr entscheidet.

 

Fehlerkultur im Unternehmen: Die Fehlerregel in 4 Schritten

 

Die Fehlerregel legt fest, in welcher Reihenfolge ein Team mit Fehlern umgeht. Viele erfahrene Fachleute folgen ihr, oft ohne sie auszusprechen:

  1. Fehler klar ansprechen. Das stresst beide Seiten. Deshalb schnell zu Schritt 2.
  2. Schaden begrenzen. Gemeinsam handeln und Verantwortung für die Folgen übernehmen.
  3. Vorsorgen. Verstehen, wie es passiert ist, und verhindern, dass es wieder passiert.
  4. Schaden regeln. Erst jetzt fragen: Wer war verantwortlich? Wer diese Frage zu früh stellt, blockiert die ersten drei Schritte.

 

Mediation am Arbeitsplatz: Wann hilft sie?

 

Mediation hilft, wenn sich Kolleginnen und Kollegen auf der persönlichen Ebene verletzt haben und wieder zusammenarbeiten wollen.

Ein Mediator führt durch ein Gespräch mit klarer Struktur und festen Regeln.

Das gibt Sicherheit, wenn es um Kränkungen und Vertrauen geht.

Die Beteiligten erarbeiten selbst verbindliche Vereinbarungen, wie sie künftig mit Schwierigkeiten umgehen.

Oft wächst dabei wieder Respekt, manchmal sogar Wertschätzung.

Zwei Dinge sind Voraussetzung: Alle machen freiwillig mit, und alles bleibt vertraulich.

 

Was ist Klärungshilfe – und wann hilft sie bei Konflikten?

 

Klärungshilfe ist ein Verfahren, bei dem ein Klärungshelfer aktiv dafür sorgt, dass alle Beteiligten offen aussprechen, was sie denken und fühlen. Sie hilft vor allem dann, wenn sich Ärger und Enttäuschung so festgesetzt haben, dass niemand mehr über Lösungen reden kann. Der Klärungshelfer führt deutlich aktiver als ein Mediator. Dabei kommen verdeckte Gefühle ans Licht, bevor überhaupt nach Lösungen gesucht wird. 

Die Methode geht auf Christoph Thomann zurück, der sie unter anderem mit Friedemann Schulz von Thun entwickelt hat.

 

Mediation oder Klärungshilfe: Was passt wann?

 

Mediation passt, wenn beide Seiten eine Vereinbarung wollen. Klärungshilfe passt, wenn erst einmal Gefühle auf den Tisch müssen.

  • Mediation: Beide Seiten wollen eine tragfähige Vereinbarung, und ein klarer Rahmen hilft dabei.
  • Klärungshilfe: Die Luft ist so dick, dass jede Lösung zu früh käme.

Oft hilft eine Kombination. Entscheidend ist, vorher genau zu klären, worum es geht und was alle erwarten.

 

Fazit: Konflikte früh klären spart Kosten

Konflikte verschwinden nicht, wenn man sie ignoriert. Sie verschwinden, wenn man sie gut bearbeitet. Unternehmen, die klare Wege für Konflikte schaffen, erkennen Streit früher und lösen ihn günstiger, für alle Beteiligten. Und Mitarbeitende gewinnen etwas Wertvolles zurück: Freude an der Arbeit.

 

Wie geht es jetzt weiter?

 

Steckt Ihr Team gerade in einem Konflikt, der sich nicht von selbst löst?

Dann sprechen Sie mich an.

Als Mediatorin begleite ich Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen dabei, wieder ins Gespräch zu kommen, Gefühle offen anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden, die tragen.

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