Konflikte am Arbeitsplatz: Was Sie als Personaler und Führungskraft tun können, wenn Kollegen Streit haben

„Mir reicht’s! Mit dem arbeite ich keinen Tag länger zusammen!“

Kennen Sie solche Sätze? Dann wissen Sie: Hier geht es nicht mehr um eine kleine Meinungsverschiedenheit. Hier brennt es.

Konflikte am Arbeitsplatz sind normal und oft sogar nützlich. Schwierig wird es erst, wenn sich ein Streit festfrisst. Hier lesen Sie, woran Sie die Unterschiede erkennen. Und was Sie selbst tun können, um Konflikte aufzulösen.

 

Wenn Kollegen Streit haben, leidet das ganze Team

Ein Streit zwischen zwei Kollegen bleibt selten zwischen zwei Kollegen. Die anderen merken die dicke Luft sofort. Sie ziehen den Kopf ein, schlagen sich auf eine Seite oder gehen beiden aus dem Weg. Informationen fließen nicht mehr, Besprechungen werden zäh. Und irgendwann sitzt das halbe Team zwischen den Stühlen.

Woran erkennt man einen festgefahrenen Konflikt am Arbeitsplatz?

Achten Sie auf diese Zeichen:

  • Kollegen reden nicht mehr miteinander, sondern schreiben sich nur noch Mails – und setzen dabei gern die Chefin in Kopie.
  • In Meetings herrscht Funkstille. Oder es fliegen die Fetzen.
  • Einzelne machen nur noch Dienst nach Vorschrift.
  • Sie hören Sätze wie „Ich kann nicht mehr“ oder „Das bringt doch eh nichts“.
  • Krankmeldungen häufen sich, gute Leute schauen sich nach anderen Jobs um.
  • Jeder kleine Anlass bringt das Fass zum Überlaufen.

Sehen Sie zwei oder mehr dieser Signale? Dann verschwindet der Konflikt nicht mehr von allein. Abwarten und Gras drüber wachsen lassen funktioniert jetzt nicht mehr.

Konfliktkosten: Was ungelöste Konflikte Ihr Unternehmen kosten

Schwelende Konflikte kosten Geld – auch wenn das in keiner Bilanz auftaucht. Teams arbeiten langsamer, Projekte stocken, Fehler häufen sich. Führungskräfte verbringen Stunden damit, zu schlichten, statt zu führen. Und wenn gute Leute kündigen, wird es richtig teuer: Sie suchen Ersatz, stellen ein, arbeiten ein – und verlieren dabei Wissen und Zeit.

Wie viel ein Konflikt Ihr Unternehmen kostet, rechnen Sie mit meinem Konfliktkostenrechner ganz einfach selbst aus.

Die vier typischen Konfliktfelder im Unternehmen

In meiner Arbeit als Konfliktmediatorin begegnen mir immer wieder vier Arten von Konflikten.

Streit zwischen Kollegen: Wenn Arbeitsstil und Kommunikation nicht zusammenpassen

Die eine plant gern alles bis ins Detail, der andere legt einfach los. Der eine schreibt lange Mails, die andere antwortet mit zwei Wörtern. Anfangs nervt das nur. Mit der Zeit nimmt man es persönlich. Dann zählt nicht mehr, was jemand sagt, sondern nur noch, wer es sagt. Oft geht es um Persönlichkeit, Arbeitsstil, Kommunikation und Erwartungen, die keiner ausspricht. Wie so ein Konflikt in der Praxis aussieht, lesen Sie in Dicke Luft und Streit im Team: So haben wir die Konflikte beigelegt.

Konflikt zwischen Team und Führungskraft: Wenn Zuständigkeiten und Prioritäten unklar sind

„Wer macht das jetzt?“ – „Was ist eigentlich wichtiger?“ Wenn ein Team diese Fragen nicht mehr klar beantworten kann, wächst der Frust. Mitarbeitende fühlen sich übergangen, die Führungskraft fühlt sich ausgebremst. Am Ende schalten beide Seiten auf stur.

Konflikte zwischen Abteilungen: Reibung an den Schnittstellen

Der Vertrieb verspricht, die Produktion soll liefern. Die IT braucht klare Anforderungen, der Fachbereich hat keine Zeit dafür. An den Schnittstellen schieben sich Abteilungen schnell gegenseitig den schwarzen Peter zu. Jeder kocht sein eigenes Süppchen – und irgendwann heißt es nur noch: „Rutsch mir doch den Buckel runter!“

Konflikte mit dem Betriebsrat: Wenn das Vertrauen fehlt

Zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat geht es darum, wer wann beteiligt und informiert wird und wie man Vereinbarungen umsetzt. Vor allem aber geht es um Vertrauen. Fühlt sich eine Seite übergangen, gießt jede weitere Entscheidung Öl ins Feuer. Dann blockieren sich beide Seiten, und wichtige Vorhaben bleiben liegen.

Konflikte im Team lösen: Was Führungskräfte und HR selbst tun können

Konfliktgespräch unter Kollegen: Wann ein klärendes Gespräch noch reicht

Solange die Beteiligten noch miteinander reden, lohnt sich ein klärendes Gespräch. So gehen Sie vor:

  • Sprechen Sie den Konflikt früh an. Wer ihn unter den Teppich kehrt, macht ihn größer.
  • Hören Sie beide Seiten an – erst einzeln, dann gemeinsam.
  • Fragen Sie, was jede Seite braucht, statt nach Schuldigen zu suchen.
  • Halten Sie konkret fest, wer was bis wann ändert.

Oft reicht das schon, um die Kuh vom Eis zu holen.

Warum Führungskräfte Konflikte zwischen Mitarbeitenden oft nicht selbst lösen können

Manchmal hilft aber auch das beste Gespräch nicht mehr. Das liegt nicht an Ihnen, sondern an Ihrer Rolle. Als Führungskraft oder Personaler gehören Sie zum System. Sie beurteilen Leistung, verteilen Aufgaben und entscheiden über Karrieren mit. Kein Wunder, dass die Beteiligten Ihnen gegenüber nicht alles sagen. Sie sagen, was gut ankommt – nicht, was sie wirklich bewegt. Und wenn Sie selbst Teil des Konflikts sind, können Sie ihn ohnehin nicht neutral klären.

Spätestens wenn

  • die Beteiligten nicht mehr miteinander reden,
  • mehrere Gespräche nichts gebracht haben oder
  • gute Leute mit Kündigung drohen,

brauchen Sie Hilfe von außen.

Konflikte am Arbeitsplatz professionell klären: Wann sich externe Mediation lohnt

Eine externe Mediatorin steht auf keiner Seite. Sie bringt die Beteiligten wieder an einen Tisch – auch wenn direkte Gespräche kaum noch möglich scheinen. Und sie sorgt dafür, dass am Ende Vereinbarungen stehen, die im Arbeitsalltag halten.

Wie eine innerbetriebliche Mediation abläuft und was Sie als Personaler darüber wissen sollten, lesen Sie im zweiten Teil: Innerbetriebliche Mediation: Wie Unternehmen Konflikte zwischen Mitarbeitenden nachhaltig klären.

Sie haben schon jetzt einen Konflikt im Haus, der Ihnen Sorgen macht? Dann lassen Sie uns sprechen: Klärungsgespräch vereinbaren